Vor vielen Jahren lebte einmal ein Mütterlein, das ging aufs Feld Kraut holen. Unterwegs kam es an einer Höhle vorüber und erblickte in ihr zwölf Jünglinge. Das waren die zwölf Monate. Die Monate fragten das Mütterlein: “Mütterchen, welcher Monat ist der schönste?”
“Alle sind schön”, sprach das Mütterlein. “Im Januar fällt der Schnee, im Februar regnet es… Alle zwölf Monate sind schön.”
Freundlich sprachen die Monate zum Mütterlein: “Komm her, Mütterchen! Weil du uns eine Freude gemacht hast, wollen wir es dir vergelten. Gib uns dein Kopftuch!”
Sie schütteten das Tuch voll mit goldenen Münzen. Es waren so viele, dass das Mütterlein es kaum zubinden konnte.
“Ich danke euch herzlich”, sagte sie darauf und kehrte froh nach Hause zurück. Dort sprach sie zu ihren Kindern: “Von nun an wird es uns gut gehen; seht nur, was ich mitgebracht habe.”
Sie band das Tuch auf und schüttete die Goldmünzen auf den Tisch. Allen ging es von da an gut.
Die Nachbarin besuchte das Mütterlein. Sie wunderte sich, woher die alte Frau so viel Geld habe. Das Mütterlein erzählte es ihr wahrheitsgetreu. Da machte sich die Nachbarin schnell auf den Weg zu den zwölf Monaten, um auch beschenkt zu werden.
“Seid gegrüßt, liebe Jünglinge!”
“Sei gegrüßt, Mütterchen, was bringst du uns denn?” fragten die Monate.
“Ach, nichts, ich gehe nur zufällig vorüber.”
“So sag uns, Mütterchen, welcher Monat ist der allerschönste?”
“Welcher Monat der allerschönste ist?” meinte die Nachbarin nachdenklich. “Ach, im Grunde taugt keiner viel. Im Januar schneit es, im Februar regnet es wieder … Eigentlich ist einer wie der andere, keiner taugt sehr viel.”
“Wie du meinst”, sagten die Monate. “Hab Dank für deine Aufrichtigkeit, und gib uns dein Kopftuch, damit wir dich belohnen dafür.”
Die Nachbarin reichte ihnen schnell das Tuch, und sie füllten es über und über, dass man es kaum noch zubinden konnte.
“Ich danke euch recht schön”, knickste die Nachbarin und eilte heim. Daheim sagte sie zu ihren Kindern: “Passt gut auf, jetzt wird es uns genauso gut gehen wie den Nachbarn. Seht nur, was ich euch da gebracht habe!”
Sie öffnete das Kopftuch und schüttete lauter Rossäpfel auf den Tisch. Da geriet die Nachbarin in Wut und eilte sofort zum Mütterlein, weil es ihr so übel geraten hatte.
“Ja, was hast du denn den Jünglingen geantwortet, als sie dich fragten, welcher Monat der allerschönste sei?”
“Dass keiner von ihnen viel taugt.”
“Nun, da haben sie dich entlohnt, wie due es verdient hast.”